bottrop.aufdemnetz.de http://bottrop.aufdemnetz.de en-US http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss socportals@mediacolo.com Bosch: Entwicklung stationärer Brennstoffzellensysteme Der Technologiekonzern Bosch baut seine Beteiligung am britischen Unternehmen Ceres Power aus und will die Entwicklung stationärer Brennstoffzellensysteme etwa für den Betrieb von Elektro-Ladeparks forcieren. Man habe seine Anteile an dem Brennstoffzellen-Spezialisten von 3, 9 auf 18 Prozent erhöht u http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963905-bosch-entwicklung-stationarer-brennstoffzellensysteme Wed, 22 2020 12:10:46 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963905-bosch-entwicklung-stationarer-brennstoffzellensysteme Elektromobilität und High-Speed-Train: Was Deutschland von China lernen kann “Bitte entschuldigen Sie die Verspätung. Leider können wir aus technischen Gründen nicht schneller fahren. Sie können sich im Bord-Restaurant ein Freigetränk abholen – ein alkoholfreies.” Es ist ein Sonntagabend im März. Ich sitze in der Bahn auf dem Weg von Heilbronn nach Berlin. Und es gibt so einige Probleme. Nicht nur, dass es einem absurd vorkommt, dass die Strecke von Heilbronn über Heidelberg, Mannheim, Frankfurt, Fulda, Göttingen, Erfurt, Leipzig und Wittenberg zickzack durchs ganze Land bis nach Berlin führt und sechseinhalb Stunden dauern soll.Nein, beim Umstieg von der Regionalbahn auf den ICE gibt es auch noch technische Probleme. Hunderte Passagiere frieren sich in Mannheim am Gleis bei eisigem Wind und gefühlten fünf Grad Celsius Hände und Füße ab, während die angekündigte Verspätungszeit immer weiter steigt von 10, auf 20 bis schließlich auf 45 Minuten. Und dann dauert die Fahrt am Ende insgesamt 2,5 Stunden länger als geplant. Denn endlich im warmen ICE angekommen heißt es, “Schnellfahren? Geht nicht.”Es ist eine Geschichte, wie sie so oder so ähnlich wohl schon jeder Deutsche erlebt hat, der ab und an mit der Bahn fährt.Deutschland fühlt sich im Fernverkehr manchmal wie ein Entwicklungsland an. Und auch die Straßen unserer Städte sind weiterhin vollgestopft mit stinkenden Benzinern und Dieselfahrzeugen. Doch warum ist das so?Ein Blick nach China zeigt, wie es besser läuft. Mit über 28 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen im Jahr ist China zwar mit Abstand der größte Klimasünder der Welt – auf Platz 2 liegen die USA mit rund 16 Prozent,  Deutschland liegt mit rund 2,2 Prozent auf Platz 6. Dennoch könnte sich die Bundesrepublik eine Scheibe nachhaltige Mobilität von der Volksrepublik abschneiden.Elektromobilität ist Teil des chinesischen AlltagsChina hat im Grunde ähnliche Verkehrs-Probleme wie Deutschland. Die Luft ist dreckig, die Straßen sind verstopft. Doch es werden andere Mechanismen eingesetzt, um das Thema Verkehr und Mobilität nachhaltiger zu gestalten. Die Volksrepublik setzt vor allem auf Elektromobilität. Sei es im Bezug auf das eigene Auto, auf den Nahverkehr mit elektrifizierten Bussen und Bahnen oder mit E-Rollern – E-Mobilität ist fester Bestandteil des chinesischen Alltags. Natürlich sollte der Strom dafür bestenfalls auch grün sein. “Aber eines ist ganz klar: Im Vordergrund steht für China das Thema Umweltschutz und nicht das Thema Klimaschutz. Anders formuliert: Der große Treiber ist die Verbesserung der Luftqualität”, sagt Sandra Retzer im Gespräch mit der HuffPost. Sie ist Deutsche, lebt seit Jahren in China und arbeitet dort für für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (Giz), um herauszufinden, was die Volksrepublik in Sachen Klimaschutz und Elektromobilität besser macht als Deutschland.Zahlen und Fakten zur Elektromobilität:Der Marktanteil von E-Fahrzeugen ist weltweit auf 2,4 Prozent der Neuzulassungen im Jahr 2018 gestiegen, wie das das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach im Januar mitteilte.60 Prozent der weltweiten Nachfrage kommt der Studie zufolge aus China. Dort wurden 2018 eine Million Elektro-Autos und 202.000 elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge verkauft – eine Steigerung von 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.Der Marktanteil liegt in der Volksrepublik jetzt bei 4,5 Prozent.Für 2019 wird ein Zuwachs auf 1,6 Millionen E-Fahrzeuge prognostiziert.Zum Vergleich: In den USA liegt der Marktanteil von Elektro-Autos bei 2,1 Prozent. In Deutschland erhöhte sich der Marktanteil von 1,6 auf 2 Prozent, in Norwegen ist fast jedes zweite neu zugelassene Auto ein elektrisches, in Schweden sind es 8,1 Prozent, in den Niederlanden 6,0 und in Großbritannien 2,5 Prozent.Die chinesische Regierung verfolgt seit Jahren einer ganz klare Agenda. “Made in China 2025” ist die Strategie der Volksrepublik, ganz bestimmte Industriezweige und Technologie zu entwickeln, voranzutreiben. Um die Luftqualität zu verbessern – aber auch, um den Weltmarkt zu erobern.China denkt breiter und größer als Deutschland – und setzt alles daran, bei Themen wie dem autonomen Fahren oder der Elektromobilität ein starker internationaler Player zu sein.Neue Technologien werden von den Chinesen schnell angenommen“Ein Beispiel: In Deutschland sind aktuell rund 186 reine E-Busse in Betrieb, was teilweise als Erfolg gefeiert wird. Im Vergleich: Die gesamte Busflotte der südchinesischen Stadt Shenzhen (16.000 Fahrzeuge) ist bereits heute komplett elektrisch unterwegs. Und das ist nur der Anfang”, erklärt Retzer.Ein weiterer großer Vorteil für Mobilitätsunternehmen ist die fortgeschrittene digitale Infrastruktur – und die hohe Akzeptanz neuer Technologien unter den Chinesen. So hat das World Economic Forum beispielsweise jüngst gefragt, wie Bürger autonomes Fahren akzeptieren würden. Das Ergebnis: 75 Prozent der chinesischen Konsumenten haben angegeben, sie würden sofort so ein Auto nutzen. In den USA waren es 53, in Deutschland sogar nur 42 Prozent.Neue Technologien werden schnell angenommen – und ein Produkt verschwindet eventuell auch wieder schnell, wenn es nicht profitabel war.So auch beim Thema Bike-Sharing. Die Nachfrage nach den Zweirädern wuchs in der Volksrepublik innerhalb kürzester Zeit rasant. “Es war wunderschön zu beobachten, wie plötzlich wieder richtig viele Chinesen auf dem Rad unterwegs waren – und es war grundsätzlich eine tolle Lösung für das Problem mit der letzten Meile”, sagt Retzer.Aber dann ist das Ganze aus dem Ruder gelaufen. Es waren viel zu viele Fahrräder, die einfach irgendwo hingeschmissen wurden.Die Chinesen fahren wieder mehr FahrradEs fehlte an expliziten Stellplätzen für die Räder. “Aber China packt solche Themen dann schnell an. Die Regierung hat unheimlich schnell darauf reagiert und eine verpflichtende Guideline für Städte herausgegeben, um das Chaos zu lösen”, sagt Retzer. Grundsätzlich hat der Radverkehr in der Volksrepublik in den letzten Jahren wieder stark an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 1986 haben beispielsweise die Bürger Pekings noch 63 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, doch dann kauften sich immer mehr Chinesen Autos und der Nahverkehr entwickelte sich im Zuge der schnell wachsenden Metropolen, bis im Jahr 2012 in Peking nur 16 Prozent der Wege mit dem Rad zurückgelegt wurden.Doch seitdem das Bewusstsein der Chinesen für Luftverschmutzung gestiegen ist und sie keine Lust mehr haben, stundenlang im Stau zu stehen, erlebt das Zweirad eine kleine Revolution. Es gibt im gesamten Land inzwischen mehr als 100 verschiedenen Fahrradleihsysteme, Fahrrädewege werden ausgebaut – in Xiamen, einer 3,6 Millionen Einwohner Stadt im Südosten des Landes, wurde im Jahr 2017 der längste erhöhte Radschnellweg der Welt eingeweiht. Er ist 7,6 Kilometer lang.  Plattformen wie WeChat vereinen alle Mobilitäts-AngeboteDie Plattform WeChat ist ein weiteres Beispiel dafür, warum China den Turn Richtung nachhaltiger Mobilität schafft.Über die App sind nicht nur alle Mobilitätsangebote buchbar, sondern die Chinesen nutzen sie auch zum Kaufen von Kinotickets, dem Verwalten ihrer Strom- und Wasserrechnungen, als Lieferservice für Essen oder zum bargeldlosen Bezahlen – ein Großteil des Alltags vereint auf einer einzigen Plattform.Dass die chinesische Regierung die App überwacht, nehmen ihre Nutzer dabei in Kauf, sagt Retzer. “Auch ich als Ausländerin mache mir in China keine Gedanken darüber, dass WeChat im Grunde genommen eine offene Datenplattform ist. Dass das alles transparent ist, ist den Menschen bewusst und wird so akzeptiert.”Auch beim Nahverkehr investiert China viel – natürlich ist auch das alles elektrisch. Wie eine Bloomberg-Studie ergeben hat, sind zum Beispiel rund 380.000 E-Busse in der Volksrepublik unterwegs. Im Rest der Welt sind es zusammengenommen nur rund 5000 Stück.Doch zu dieser Wahrheit gehört auch, dass China andere Voraussetzungen hat als Deutschland und Europa, was Massenmobilität angeht. Zahlen und Fakten zum Schienenverkehr in China:Bis zum Jahr 2020 wird das Netz für Fernzüge mehr als 150.000 Kilometer umfassen.30.000 Kilometer davon werden Hochgeschwindigkeitsbahntrassen sein – 2008 ging die erste Strecke in Betrieb. Ende 2018 verband das High-Speed-Train-Netz Dutzende Städte im ganzen Land und beförderte mehr als 18 Milliarden Passgiere im Jahr.Für die 1.318 Kilometer lange Verbindung von Peking nach Shanghai beispielsweise benötigt der neueste Zug vier Stunden und 18 Minuten, für die 2.298 Kilometer von Peking nach Guangzhou acht Stunden und eine Minute.Auch der Ausbau des Nahverkehrsnetzes steigt seit Jahren stetig. 2013 umfasste das U-Bahnnetz laut dem China Statistical Yearbook 2366 Kilometer, 2017 waren es 5033 Kilometer. 2020 soll die Betriebsleistung des Stadtbahnnetzes auf mehr als 7.000 Kilometer steigen.Bis 2035 will China – nach eigenen Angaben – über das am besten entwickelte Schienennetz der Welt verfügen.“Die Chinesen haben erst vor 15 Jahren mit dem Thema angefangen und konnten daher aus den Fehlern, die anderorts gemacht wurden, sehr viel lernen. Das bedeutet auch, dass man die Bevölkerung nicht erst vom Auto weg bekommen muss, sondern sie sofort die neuen Dienst nutzen und kennen lernen”, sagt Don Dahlmann im Gespräch mit der HuffPost. Er beschäftigt sich als Autor und Journalist seit Jahren mit Themen wie der Zukunft der Mobilität, Smart Cities und Energie.Autofahren muss in Deutschland teurer und unattraktiver werdenEs gibt auch in Deutschland zahllose Angebote wie Carsharing, E-Roller, Ridesharing – aber nichts davon scheint richtig einzuschlagen. Journalist Dahlmann glaubt, dass viele dieser Angebote deswegen in Deutschland Startschwierigkeiten haben, weil niemand zunächst freiwillig auf sein privates Auto verzichten will.  “Hier müssen Staat und Kommunen mit Lenkungsabgaben (Anm. d. Red.: Steuern, die erhoben werden, um das Verhalten der Bürger in eine umweltfreundliche Richtung zu lenken) eingreifen. Wenn wir uns die chinesischen Städte anschauen, können wir davon vor allem lernen, dass die Politik konsequent auf E-Mobilität setzen muss.” Er leitet daraus radikale Forderungen ab.Autofahren müsse in Deutschland generell teurer werden, zum Beispiel indem der Mineralölsteuer-Anteil und Parkgebühren erhöht, attraktive Car- und Ridesharing-Angebote durchgesetzt, eine Pkw-Maut auf Autobahnen eingeführt werden. “Es gibt viele Möglichkeiten, sanft in eine Richtung zu schubsen”, sagt er.Der zweite Punkt ist: “Die Menge der Autos, die in einer Stadt fahren dürfen, muss begrenzt sein”, sagt Dahlmann. Auch in China – wer beispielsweise in Peking ein Kennzeichen für ein neues Auto beantragt, bekommt das nur über ein Lotterie-Verfahren. Und wer sich ein E-Auto kauft, hat deutlich höhere Chancen, an ein Kennzeichen zu kommen als mit einem Benziner. China setzt massiv auf erneuerbare Energien – doch nicht ausschließlichAll diese Entwicklungen und Chinas Mut, Dinge auszuprobieren, zeigen Wirkung. Retzer lebt seit Jahren in China und hat am eigenen Leib gespürt, wie sich die Luftqualität in den letzten Jahren verbessert hat.“Aber natürlich ist auch klar, dass es hierbei vor allem um lokale Luftverschmutzung geht und nicht um die großen Klimaschutzziele. Da gibt es noch viel zu tun – dessen ist sich die Volksrepublik bewusst”, sagt Retzer. Und klar ist auch: Großstädte wie Peking und Shanghai haben nach wie vor immens mit Smog zu kämpfen.Deshalb muss man sich das Gesamtbild anschauen. Ein großes Thema ist in China die Entwicklung des Energie-Mixes. Laut einem Report der Vereinten Nationen sind 45 Prozent der im Jahr 2017 weltweit geflossenen Investitionen von einer Höhe von 200 Milliarden US-Dollar in neue Solarzellen-Anlagen, Windkraft, Wasserkraftwerke und Biogasanlagen auf China zurückzuführen. Gleichzeitig legte ein Report des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) im Januar offen, dass die Volksrepublik auch einen großen Teil des globalen Ausbaus von Kohlekraftwerken mitfinanziert. Noch verbrennt die Volksrepublik rund die Hälfte der weltweit eingesetzten Kohle. Und auch sonst läuft nicht alles rund. “Im Winter 2017 beispielsweise wurden alle alten Kohleöfen abgebaut, weil die Regierung ihre Anstrengungen zur Verbesserung der Luftqualität noch stärker durchsetzte. In Peking und Nordchina wurde Kohle durch Gas ersetzt – doch es kam zu Engpässen, die Umstellung lief nicht schnell genug. Und am Ende mussten viele Bürger in der eisigen Kälte ausharren.” Die chinesische Planwirtschaft fordert Opfer, gleichzeitig sorgt sie für Innovationen, die in Deutschland und Europa bislang kaum denkbar sind.“Wusstet ihr, dass Brüssel-Barcelona die gleiche Entfernung ist wie Peking-Shanghai? Aber der Zug ist zwei Mal langsamer und fünf Mal teurer in Europa, wo wir Flugzeuge Fernzügen vorziehen. Im Interesse des Klimas (und unserer Gesundheit) brauchen wir eine ehrgeizige Vision für die europäische Eisenbahn”, schrieb Paul Behrens Anfang März auf Twitter. Für einen besseren Fernverkehr braucht es keine Milliarden-Investitionen in neue InfrastrukturPaul Behrens ist Wissenschaftler an der Universität Leiden in den Niederlanden und beschäftigt sich mit Energie und Umweltveränderungen. Zugfahren in China ist schnell und günstig. Selbst eine Strecke wie von München nach Hamburg mit dem Auto zu fahren, das machen die Chinesen in der Regel nicht.Did you know, Brussels-Barcelona is the same distance as Beijing-Shanghai? But the train is ~2x slower and ~5x more expensive in Europe where we#39;ve chosen planes over long distance trains. For the climate#39;s sake (and our health) we need an ambitious vision for European rail... pic.twitter.com/4TpfVHjYME— Paul Behrens (@DrPaulBehrens) March 10, 2019In Deutschland und Europa ist Zugfahren vor allem: vergleichsweise teuer – und häufig unzuverlässig. Doch Strecken für den chinesischen High-Speed-Train wurden teilweise ohne Rücksicht auf Verluste gebaut. Das kann und darf in Deutschland oder Europa so nicht umgesetzt werden. Behrens hat dennoch einige Ideen, wie sich die EU an China ein Beispiel nehmen könnte. Dafür brauche es nicht unbedingt Milliarden von Euro für immer mehr Infrastruktur. Sondern vielmehr ein Blick darauf, was der Verbraucher für Entscheidungen bezüglich des mittel- und langfristigen Verkehrs zu bewältigen habe. “Der Verbraucher muss einfache, günstige Entscheidungen treffen können”, sagt Behrens.Helfen könnten EU-weite Plattformen, die dem Verbraucher alle Verbindungsoptionen auflisten – Bus, Bahn, Flugzeug. Wie viele andere Experten fordert er zudem auch eine Kerosinsteuer und stattdessen steuerfreie Zugtickets, um mehr Menschen vom Fliegen weg zu bekommen. Mehr zum Thema: Verkehr: In diesen Städten werdet ihr fürs Fahrradfahren bezahlt In unseren Städten findet längst eine Verkehrsrevolution statt – ohne dass wir davon etwas mitbekommen Wie ich mir fast ein E-Auto gekauft hätte ... Auch in Deutschland selbst brauche es nicht zwingend Massen an neuer Infrastruktur, um den Zugverkehr attraktiver zu gestalten, sagt Don Dahlmann. Ein Weg in die richtige Richtung könnte der Bundesverkehrswegeplan 2030 sein, den die Bundesregierung im Jahr 2015 vorgestellt hat. 41 Prozent der finanziellen Mittel sollen in die Bahn investiert werden.“Dennoch gibt es sicherlich einen Investitionsstau und auch eine Menge Missmanagement, vor allem vor dem Hintergrund der Digitalisierung”, sagt Dahlmann. Auch das Problem mit den ländlichen Regionen bleibt. “In den letzten Jahren wurden sehr viele Bahnstrecken stillgelegt, sprich in abgelegeneren Regionen werden die Menschen noch lange auf Autos angewiesen sein.”Aber das Grundsystem Bahn würde ja funktionieren, einige Strecken wurden ausgebaut, vor allem auch Schnellstrecken. “Aber die gibt es bislang vor allem auf der Nord-Süd-Achse und nicht auf der Ost-West-Achse. Die Bahn muss einiges angehen in den kommenden zehn Jahren.”Hoffentlich muss dann niemand mehr sonntagabends am Bahnsteig frieren, um auf den Ewigkeiten verspäteten ICE zu warten. (jkl) http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963560-elektromobilitat-und-high-speed-train-was-deutschland-von-ch Sun, 24 2019 07:24:38 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963560-elektromobilitat-und-high-speed-train-was-deutschland-von-ch Wie das Netzwerk der Neuen Rechten radikales Denken in die Gesellschaft trägt „Lügenpresse” für die Qualitätspresse, „Altparteien” für die etablierten Parteien und „Volksverräter” für führende Politiker - diese Begriffe nutzen viele Deutsche inzwischen wie selbstverständlich.Doch ihr Hintergrund ist vielen nicht bewusst. Denn sie gehen auf die sogenannte Neue Rechte zurück, eine radikal rechtsnationale Bewegung, die in den vergangenen Jahren immer weiter an Stärke gewonnen hat.Ein Blick auf die Szene zeigt, wie ähnlich die Denkmuster sind - sie reichen vom umstrittenen SPD-Mann Thilo Sarrazin bis zum Vordenker der Neuen Rechten Götz Kubitschek. Ein Blick auf diese Kreise zeigt, wie weit neurechtes Gedankengut in Deutschland mittlerweile verbreitet ist. Die Ideen der Neuen Rechten sowie ihr Jargon sind nicht nur bei Pegida-Aufmärschen allgegenwärtig, sondern auch in der öffentlichen Diskussion, bei Lesungen und vor allem in den sozialen Netzwerken.Die Flüchtlingskrise hat den Tonfall weiter verstärktMaßgeblich dazu beigetragen haben die Pegida-Bewegung und die AfD, auch wenn manches bei der Alternative für Deutschland sprachlich etwas softer klingt. So verwenden ihre führenden Vertreter statt „Lügenpresse” Vokabeln wie „Lückenpresse” (Björn Höcke) oder „Pinocchio-Presse” (Frauke Petry).Im Zuge der Flüchtlingskrise hat sich der Tonfall weiter verschärft.Neurechte bezeichnen die Flüchtlinge mittlerweile als „Invasoren”. Der AfD-Vizevorsitzende Alexander Gauland verglich sie auf einer AfD-Demonstration im November 2015 in Berlin mit „Barbaren”.Von Pegida bis zur LesungAber nicht nur bei Straßendemos ist dieses Vokabular längst salonfähig. Auch in bürgerlichen Milieus ist es mittlerweile angekommen.So spricht auch die seit Jahren zu einer gewissen verbalen Maßlosigkeit neigende Publizistin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler im Februar-Heft des Magazins „Cicero” im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von einer „Invasion” und von „Invasoren”.Besonders Besorgnis erregend sind auch zwei weitere Begriffe, die sich ins rhetorische Arsenal auch von Teilen des Bürgertums eingeschlichen haben. Gemeint sind der „Große Austausch” beziehungsweise die „Umvolkung”.Die Bezeichnung „Großer Austausch” hat der französische Rechtsdenker Renaud Camus im Jahre 2013 geprägt. Sie ist Ausdruck des Konzepts des sogenannten „Ethnopluralismus”, der zentralen Denkvorstellung der Neuen Rechten.Rechtsintellektuelle wollen harmlos klingenDanach sollen Rassen - die Rechtsintellektuellen verwenden meistens stattdessen den harmloser klingenden Begriff „Kulturen” - möglichst homogen bleiben, sich also nicht vermischen. Hieraus erklärt sich auch die Aversion der Szene gegen eine über wenige Individuen hinausgehende Zuwanderung.In seinem 2013 erschienenen Aufsatz „Der Große Austausch oder: die Auflösung der Völker” schreibt Camus über die nationalen Regierungen in Europa: „Sie haben unsere Länder schutzlos den Invasoren preisgegeben, deren Eindringen nur scheinbar friedlicher Natur ist, in Wahrheit jedoch eine zutiefst spaltende Wirkung entfaltet.”Wie gesagt, das war 2013 und damit deutlich vor der aktuellen Flüchtlingskrise, was die Idee besonders bizarr macht.Die deutsche Übersetzung des Werks von Camus findet sich in dem Sammelband „Revolte gegen den großen Austausch”. Erschienen ist der Band in diesem Jahr bei „Antaios”, dem Verlag von Götz Kubitschek. Kubitschek ist die zentrale Person der Neuen Rechten und enger Weggefährte des AfD-Rechtsauslegers Björn Höcke.In dem Buch findet sich auch ein längerer Text des „Gesichts der Identitären Bewegung Wien”, Martin Sellner. Die Identitären sind eine radikale Jugendbewegung, die vor allem in Österreich und Frankreich stark wächst.Sellner ist eng mit Götz Kubitschek verbunden und rühmte sich neulich eines dreiwöchigen Praktikums als „regime change agent” auf Kubitscheks Rittergut. In dem erwähnten Aufsatz schreibt Sellner, dass der „Große Austausch” als Begriff „in sich alle propagandistischen und strategischen Anforderungen (vereine) und sich voll im Einklang mit der identitären Theorie (befinde)”.Merkels Politik wird mit der der Nazis gleichgesetztDementsprechend ist der Kampf beziehungsweise die „Revolte” gegen den „Großen Austausch” zum Leitmotiv der „Identitären Bewegung” geworden.Die „Umvolkung” ist der historisch ältere Begriff, er geht direkt auf die Nationalsozialisten zurück. „Umvolkung” heißt auch das neue Buch von Akif Pirinçci. Auf der Verlagsseite im Internet steht zur Einführung in das Buch, dass „Deutschland ein Flüchtlingschaos ungeahnten Ausmaßes angerichtet und den ‚Austausch’ des eigenen Volkes vorangetrieben (habe)”.Und weiter: „‘Umvolkung’ nennt Pirinçci das in Anspielung auf die verrückte Idee der Nationalsozialisten, ganze Volksgruppen wie Schachfiguren zu verschieben.”Da ist er also wieder, der Versuch des neurechten Milieus, die Regierung rund um Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Handeln mit einem diktatorischen Regime gleichzusetzen, hier sogar mit dem der Nazis.Ähnliches hatte Pirinçci schon mit seiner auch in „Umvolkung” zu findenden, vielfach missverstanden Äußerung bei einer Pegida-Demonstration in Dresden getan, der zufolge die KZs „leider außer Betrieb” seien.Damit gibt er keineswegs ein eigenes Bedauern dieses Umstands wieder, sondern legt diesen Wunsch seinen politischen Gegnern, also den Befürwortern von Merkels Flüchtlingspolitik in den Mund. Wörtlich heißt es in „Umvolkung”: „Es gäbe da auch noch andere Möglichkeiten, aber die KZ, so dürften einige Machthaber wohl im Stillen denken, sind ja leider außer Betrieb.”Das Ziel der Neuen Rechten ist, unsere pluralistische Demokratie in die Nähe einer Diktatur zu stellen. So lässt sich die Bevölkerung aufstacheln, namentlich zum „Widerstand”, also zum zivilen Ungehorsam im Sinne von Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes.Derartige Aufrufe finden sich in Pirinçcis jüngstem Werk zwar nicht, dafür setzt es aber in puncto Hetze, Vulgarität und primitiver Agitation neue Maßstäbe und geht nochmals erheblich weiter als sein 2014 erschienener Bestseller „Deutschland von Sinnen”.“Cicero” verteidigt PirinçciSchon vor zwei Jahren konnte man sehen, wie sehr ein Teil des konservativen Bürgertums sich radikalisierte und für Pirinçci stark machte.Der Kulturressortleiter des „Cicero”, Alexander Kissler, mit dessen Amtsantritt 2013 der Rechtsruck des „Cicero” seinen Anfang nahm, verteidigte den Autor gleich drei Mal. Dabei behauptete er sogar, die Zeitungskrise habe ihren Grund darin, dass die Journalisten „an den Lesern vorbei schreiben” würden, wie sich unter anderem „im Umgang mit Akif Pirinçci” zeige.Pirinçcis neues Werk bezeichnete Kissler kurz vor dessen Erscheinen als „neu annoncierte Polemik namens ‚Umvolkung‴⁣ und setzte sich erneut für die Meinungsfreiheit des Autors ein.Der Umstand, dass „Grossisten, Buchhändler und Büchereien” Pirinçcis Werke inzwischen nicht mehr führen, ist für Kissler ein „Bannfluch”. Es habe „ein G’schmäckle, wenn dominante Marktteilnehmer den ‚öffentlichen Diskurs’ derart massiv beschneiden”.Der Opferstatus, den Kissler Pirinçci zugesteht und die verharmlosende Bezeichnung von „Umvolkung” als „Polemik” hat ebenfalls ein G’schmäckle, wenn man sich ansieht, was in „Umvolkung” so steht und womit man alleine schon angesichts des Titels auch vor dem Erscheinen rechnen konnte.Bereits im Vorwort heißt es, dass das Thema des Buches „die gegenwärtig aufgezwungene Entheimatung der Heimat durch das Fremde - bis zu ihrer kompletten Auflösung” sei.Für Pirinçci ist es zu einem „Dammbruch der wirtschaftlich Überflüssigen mit Islam-Chip im Kopf, Afro-Lethargie in den Gliedern und Zigeunertalent in den Fingern” gekommen. Die „Invasion” Deutschlands in Form der „Inbesitznahme durch Neubürger auf Unterschichtsniveau” schreite voran.Zwar lehnt Pirinçci die in rechten Kreisen beliebte Verschwörungstheorie ab, derzufolge die „Umvolkung” auf „Geheimabsprachen zwischen der Wirtschaft und der Regierung” basiere.Er glaubt aber, dass „Politik, Medien und ihre vielerlei Rattenschwänze in der Migranten- und Betreuungsindustrie und der Justiz den Suizid der eigenen Heimat und schließlich von Europa mittels der Brachialpenetrierung von analphabetischen Verschleierten und Männern mit dem IQ einer Bierdose betreiben”, „weil sie es können” und „schon immer tun (wollten)”.Und weiter: „Es ist ausgeschlossen, dass dies alles und in solcher Dimension ohne die Erlaubnis und Order von politischen Entscheidungsträgern geschieht, die ganz offenkundig den Austausch der deutschen Bevölkerung durch eine andere bewerkstelligt haben wollen”.Gewohnt abfällig spricht Pirinçci zudem von dem „von Polithanseln durchseuchten Staat” und der “rot-grün versifften Einheitspresse”. Ein Vokabular, welches man inzwischen auch beim Co-Vorsitzenden der AfD, Jörg Meuthen, findet, der auf dem Stuttgarter Parteitag unter großem Jubel davon sprach, dass er „weg vom links-rot-grün verseuchten 68er-Deutschland” wolle und ergänzte, er könne auch „leicht versifft” sagen.In puncto Empathielosigkeit und Verachtung kennt Pirinçci kaum Hemmungen und schreibt: „In Wahrheit war Syrien ob mit oder ohne Bürgerkrieg schon immer ein muslimischer Saustall neben den anderen muslimischen Sauställen gewesen”.Ganz generell seien „Syrien, Irak, Ägypten, Tunesien usw. der gleiche Kappes”, weil „Bevölkerungen mit Islam im Hirn nur autoritär regiert und unter Kontrolle gehalten werden (können), wenn die Müllabfuhr funktionieren und überhaupt ein modernes Leben stattfinden soll”. Der Islam ist für den Autor „eine Hirnwäsche zur Barbarei von Kindesbeinen an”.Nicht weniger verächtlich spricht Pirinçci über Schwarze, die aus seiner Sicht „häufig das Fuck-and-Go-Prinzip” praktizieren. Weshalb man „gespannt sein dürfe”, wie der deutsche Sozialstaat „schon in zwei Jahren aussehen wird, wenn sich darin Afrikas Vermehrungsfabrikation in ‚King Size’ manifestiert hat und die ersten Bataillone der Schokoladenbabys samt ihrer Mütter vor den Sozialämtern lauthals quengeln.”Wie sehr Pirinçci in puncto „Intelligenzforschung” de facto auf der Linie von Thilo Sarrazin liegt, sieht man daran, dass ihm zufolge „jeder (wisse), dass die dümmsten Menschen des Planeten (im Durchschnitt) in Afrika, Arabien und in den Islamländern Asiens zu Hause sind”.Deshalb sei es ein „brüllend komischer Schwindel, dass diese Glücksritter bar durchschnittlicher Intelligenzausstattung für ein Hochtechnologieland, in dem Arbeit immer mehr Gripsakrobatik einfordert, uns in irgendeiner wirtschaftlichen Weise zu nütze sein, gar unser Problem der vergreisenden Gesellschaft durch ihr junges Blut wegzaubern könnten”.Dementsprechend fallen bei Pirinçci immer wieder Worte wie „wertlos” oder „nutzlos”, so als sei es vollkommen egal, dass es Fluchtgründe, Kriege und den Kampf um das nackte Überleben gibt.Bei Sarrazin klingt das begrifflich harmloser, meint aber dasselbe. So schreibt er in seinem neuen Bestseller „Wunschdenken” über die Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten:„Ihr kulturelles und kognitives Profil ähnelt dem der muslimischen Zuwanderer aus diesen Herkunftsländern, die bereits in Europa sind. Es ist daher anzunehmen, dass sie sich in puncto Arbeitsmarktintegration (...) ähnlich entwickeln wie diese.Deshalb ist in Bezug auf die künftigen Integrationserfolge Skepsis angebracht, zumal die Zahl der Neuankömmlinge im Vergleich zur aufnehmenden Bevölkerung weitaus höher ist als in der Vergangenheit”. Für Sarrazin wird die „Rückgewinnung der Kontrolle über unsere Grenzen (...) zur Existenzfrage für unsere Kultur und das Überleben unserer Gesellschaft.”Mit dieser Wortwahl ist er nicht mehr weit weg vom der neurechten Beschwörung des „Überlebens des eigenen Volkes”. Gleiches gilt für seine Behauptung, die „in einer Gesellschaft vorherrschende Arbeitsethik und Motivation” sei „zumeist mit dem Volkscharakter und kulturellen Einflüssen” verbunden. Da wundert es nicht, dass Kubitschek schon 2011 sagte, Sarrazin habe die Themen der Neuen Rechten „nach oben gezogen”.Wie für viele in der rechten Szene sind die Flüchtlinge auch für Pirinçci eine amorphe Masse von „Invasoren”. Wer ihnen hilft, zählt zu den „abertausenderlei Parasiten von der Betreuungsindustrie”.Im Verlauf des Buchs steigert Pirinçci sich in weitere Tiraden hinein. So gebe es „ein negatives Element” bei den „Flüchtilanten”, das „jede Gesellschaft an sich irgendwann sprengt”: „Nämlich das Element des arabisch-muslimischen Überflüssigkeit des Seins” und die „Afro-Lethargie, vom zigeunerischen Element ganz zu schweigen.”Pirinçci macht es offenbar fassungslos, dass es in Deutschland ein „weggetretenes Volk” gebe, welches sich gegen die „Okkupation der eigenen Heimat mit widerwärtigen Unkulturen nicht mehr wehrt”.Des Weiteren redet ausgerechnet er, der gebürtige Türke, von der „Anbetung des Ausländers, der peu à peu vom einfachen Gastarbeiter zum unverzichtbaren Plus-Deutschen mutierte und die ethnisch-kulturelle Auflösung Deutschlands vorbereitete, bis schließlich die Katastrophe der Invasion über uns hereinbrach”.Ketzerisch könnte man fragen, was ihn, Pirinçci, noch in Deutschland hält, denn gemessen an seinen eigenen kruden Maßstäben trägt auch er, der zudem einen Sohn hat, solange er hier lebt, auch zur „ethnischen” Auflösung Deutschlands bei, denn er ist nun einmal ein ethnischer Türke.Stattdessen drischt er lieber auf den Schriftsteller und Träger des letztjährigen „Friedenspreises des deutschen Buchhandels” Navid Kermani, ein. Dieser sei „das fleischgewordene und auffälligste Symptom der Migrantisierung der deutschen Kultur” und jemand, der sich im Islam „richtiggehend suhlt”. Es sei „gleichgültig, dass er bereits in Deutschland geboren wurde”.Die neurechte Szene strengt sich sehr an, „Umvolkung” zu einer hohen Reichweite zu verhelfen. Götz Kubitscheks Ehefrau, die Publizistin Ellen Kositza, lobte das Buch in einem Video allen Ernstes als „subtil” und sagte damit sehr viel über ihre eigene Geisteshaltung aus. Derzeit ist Pirinçci überdies auf Lesetour.Bei einem Auftritt in Magdeburg, zu dem Jürgen Elsässer, Chefredakteur des rechten „Compact”-Magazins, eingeladen hatte, war, wie Melanie Amann im „Spiegel” schrieb, die ganze rechte Szene versammelt: „die AfD, der Straßenprotest, die Intellektuellen und ihre Medien”.Die AfD hatte „direkt neben dem Einlass” sogar einen Werbestand mit Flyern („Es reicht”) aufgestellt, wie Amann weiter berichtete. Das wundert kaum, wenn man bedenkt, dass inzwischen auch Beatrix von Storch den Twitter-Hashtag „Bevölkerungsaustausch” verwendet.Neue Rechte geben sich den Anstrich von IntellektuellenWie weit das Gerede vom Bevölkerungsaustausch schon in bürgerliche Kreise vorgedrungen ist, kann man - wenig überraschend - ein weiteres Mal beim „Cicero” sehen. Im Februar griff dort der bereits erwähnte Kulturchef Kissler affirmativ auf ein Zitat des Staatsrechtlers Dietrich Murswiek zurück, der auch der neurechten „Jungen Freiheit” Interviews gibt.Murswiek spricht in dem von Kissler zitierten Beitrag, der Anfang des Jahres im Schöningh-Verlag in dem Sammelband „Der Staat in der Flüchtlingskrise - Zwischen gutem Willen und geltendem Recht” erschienen ist, von der „Umstrukturierung der Bevölkerung Deutschlands”, welche Angela Merkel ausgelöst habe.Aram Lintzel bemerkte daraufhin in der „taz” treffend, dass Kissler mit dem Aufgreifen dieses Geredes so klinge, „als verbringe er jedes freie Wochenende auf Götz Kubitscheks Rittergut”.Die Herausgeber des erwähnten Sammelbands sind die Staatsrechtslehrer Otto Depenheuer und Christoph Grabenwarter. Beide lassen auf dem Klappentext sowie im Vorwort keine Zweifel daran, welch Geistes Kind ihre Zusammenstellung ist.Denn mit der Behauptung, dass „staatsfinanzierte Medien Hofberichterstattung (üben)” und „das Volk stummer Zeuge der Erosion seiner kollektiven Identität” werde, bedienen sie klassisch rechte Topoi.In dem Beitrag, den er selbst beigesteuert hat, spricht Depenheuer zudem von „politischer Schönrednerei” und „Hypermoral” (ein unter Rechten beliebter, auf den rechtskonservativen Philosophen Arnold Gehlen zurückgehender Begriff), und „moralisch überwachten Korridoren zulässiger Argumentation”.Derartiges Raunen kennt man inzwischen hinlänglich aus dem Dunstkreis rechten Denkens.Murswiek wiederum behauptet in seinem Text weiter, „aus der nach Sprache, Kultur und Geschichte deutschen Mehrheitsbevölkerung” werde „gegenwärtig” eine „multikulturelle Gesellschaft ohne einheitliche Sprache und Tradition”, für die es aber eine „verfassunggebende Volksentscheidung” geben müsse.Auch das ist eine unter Rechten beliebte, rechtlich aber unzutreffende Sichtweise. Gleiches gilt für Murswieks weitere Behauptung, derzufolge das Grundgesetz „als nationalstaatliche Verfassung” voraussetze, „dass das Staatsvolk in seiner großen Mehrheit aus ethnischen Deutschen besteht”.Tatsächlich knüpft der Staatsvolkbegriff des Grundgesetzes an die Staatsangehörigkeit an und diese ist dort an keiner Stelle ethnisch definiert.Muswiek, immerhin Lehrstuhlnachfolger des bekannten Staatsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde in Freiburg, sowie die weiteren eben erwähnten Personen sind ein gutes Beispiel dafür, wie weit rechte Gedankenmuster längst im Bürgertum eingedrungen sind.So ist es nur konsequent, dass Murswiek sich auch auf Thilo Sarrazin beruft: „Die Politik der offenen Grenzen läuft auf das hinaus, was der Titel eines berühmtes Buches zum Ausdruck bringt: ‚Deutschland schafft sich ab’.”Keine Frage: Kubitschek hat recht. Sarrazin hat zentrale Themen der Neuen Rechten „nach oben gezogen”. Und mehr und mehr zeigt sich, was für Türen, die besser geschlossen geblieben wären, er so für die bürgerliche Mitte geöffnet hat.Dieser Beitrag erschien zuerst am 30.05.2016 http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963551-wie-das-netzwerk-der-neuen-rechten-radikales-denken-die-gese Mon, 25 2019 11:21:39 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963551-wie-das-netzwerk-der-neuen-rechten-radikales-denken-die-gese Deutschland, ein modernes Land? Was diese 10 Mütter erlebt haben, sollte uns alle nachdenklich machen “Wie kannst du deinen Kindern so etwas nur antun?”“Es ist verantwortungslos, sie allein zu lassen.” “Du Rabenmutter.”Deutschland ist ein modernes, fortschrittliches Land, könnte man denken. Doch für viele Menschen fühlt sich das nicht so an.Frauen können in vielen Fällen das erreichen, was sie wollen - bis sie ein Kind bekommen. Ab da sehen sie sich einer Vielzahl von Fragen ausgesetzt:Soll ich wieder arbeiten gehen? Und wenn ja, ab wann? Soll mein Kind schon mit einem Jahr in die Kita kommen? Erst später? Oder gar nicht?Und vor allem: Was werden die anderen von mir denken? Bin ich eine schlechte Mutter?Veraltetes Bild, wie eine Mutter sich zu verhalten hatSogar die “New York Times” stellte kürzlich fest, dass Deutschland ein merkwürdiges Verhältnis zu arbeitenden Müttern habe. Das zeige sich schon in der Sprache: Ausdrücke wie “Rabenmutter” gebe es in anderen Ländern nicht.Wie rückständig Deutschland ist, zeigen auch die Erfahrungen, über die zehn Mütter in der HuffPost berichten.Einige wollten früher als andere in den Job zurückkehren. Andere beschlossen, diesen Schritt aus finanziellen Gründen zu gehen. Wieder andere mussten sich dafür kritisieren lassen, dass sie überhaupt arbeiten. Und einige entsprechen aus anderen Gründen nicht dem Klischee der perfekten Mutter.Allen gemeinsam ist: Was diese Mütter erlebten, löst Kopfschütteln aus. Das sind ihre Geschichten.Susanne Sippl (34), Leiterin eines Sanitätshauses, ein KindSusanne Sippl hat sich für den extremen Weg entschieden: Sie ist bereits acht Wochen nach der Geburt ihres Kindes in ihren Job zurückgekehrt. Der Grund: Mit dem Sanitätshaus leitet sie ein mittelgroßes Unternehmen, während ihrer Abwesenheit eine zweite Führungskraft einzustellen, war nicht möglich.“Und den Betrieb zu lange herrenlos zu lassen, wäre fatal gewesen”, sagt sie.Seitdem muss sie sich jeden Tag feindselige Kommentare anhören. “Ich hätte nie gedacht, dass Mütter untereinander so grausam sein können”, sagt die Unternehmerin.“Am meisten verletzen mich Bemerkungen wie ‘Naja, dann brauchst du ja gar keine Kinder kriegen’. Das kränkt mich sehr.”Als Mutter habe man immer ein schlechtes Gewissen, egal für welchen Weg man sich entscheide. “Und solche Sätze treffen genau den wunden Punkt - bei jeder Mutter.”Sandra Dibbern (44), Flugbegleiterin, ein KindDie Flugbegleiterin Sandra Dibbern bekam ihre Tochter mit 31 Jahren. Nach zwei Jahren kehrte sie in den Job zurück - in Teilzeit. Aus finanziellen Gründen, aber auch, weil sie ihren Job mochte.“Doch plötzlich musste ich mir viele seltsame Kommentare anhören”, erinnert sie sich. “Wie kannst du nur diesen Job machen?”, sagten ihre Bekannten zu ihr. “Du musst doch bei deinem Kind sein? Wenn etwas passiert, sitzt du gerade im Flugzeug und kannst nicht zu deiner Tochter.”Dass es auch noch den Vater gab und seine Familie sogar in der Nähe wohnte, habe niemanden interessiert, sagt sie. “Ich war der Buhmann.”Inzwischen ist Sandra Dibbern alleinerziehend und die Vorwürfe sind nicht weniger geworden. “Viele Bekannte schütteln den Kopf, weil ich mich als Mutter von meinem Mann getrennt habe. Sätze wie ‘Du musst doch die Familie zusammen halten’ höre ich oft.”Ihre Antwort darauf: “Nein, das muss ich nicht.”“Ich will nicht nur Hausfrau und Mutter sein, sondern auch eine erfolgreiche Frau”, sagt sie. Das aber sei in unserer Gesellschaft immer noch verpönt, findet die 44-Jährige. “Eigentlich leben wir wie in der Steinzeit – der Mann geht jagen und die Frau hütet die Familie. Das muss sich ändern. Wir Frauen müssen uns einfach stärker machen. Denn emanzipiert sind wir noch lange nicht.”(Sandra Dibbern hat ihre Geschichte auch in einem ausführlichen Blog für uns aufgeschrieben. Ihr findet ihn hier.)Stephanie Leienbach (37), Geschäftsführerin “Müttermagazin”, ein KindÄhnlich die Geschichte von Stephanie Leienbach. Die 37-Jährige muss sich vorwurfsvolle Blicke gefallen lassen, seit sie ihr Kind mit eineinhalb Jahren in die Kita gegeben hat. “Bei jedem Kaffeeklatsch wurde ich mitleidig gefragt, ob ich denn ‘wieder so viel gearbeitet’ hätte und wie ‘das Kind das denn verkrafte’”, sagt sie.Irgendwann sei sie das leid gewesen und habe diese Unterhaltungen gemieden. “Ich hab immer gearbeitet, seit ich 19 Jahre alt war und mir fehlte einfach der Austausch mit den Kollegen.”Ihre Tochter ist heute viereinhalb Jahre alt. Geschadet habe ihr die Berufstätigkeit ihrer Mutter nicht, ist Stephanie Leienbach sicher. “Sie hat sich hervorragend entwickelt, hat keine Bindungsprobleme, geht gerne in die Kita.”Und auch sie selbst ist zufrieden. “Ich bin ausgeglichen und genieße die Zeit als Mutter genauso wie die Zeit als selbstständige Geschäftsfrau. Eine Rabenmutter bin ich in den Augen der anderen dennoch.”Katie Ritson (37), wissenschaftliche Mitarbeiterin an der LMU München, drei KinderAls Katie Ritson für zwei Monate beruflich nach Norwegen ging und die Kinder (damals drei und sechs Jahre alt) bei ihrem Mann ließ, fingen die Vorwürfe an.“Was mich fast mehr nervt als die Anschuldigung, dass ich meine Kinder nicht genug liebe, mich nicht genug für sie aufopfere, ist die gleichzeitige Entwertung der Erziehungsarbeit meines Mannes”, sagt sie. “Ich lasse meine Kinder nicht allein, sondern bei einem anderen gleichwertigen Elternteil, der sie ebenfalls bedingungslos liebt und sich um sie kümmert.”Die Unimitarbeiterin findet: Kinderfragen werden immer noch viel zu stark in Bezug auf ihre Mütter diskutiert und nicht in Bezug auf ihre Eltern.(Katie Ritson hat auch einige Beiträge zum Thema Bildung für uns geschrieben. Ihr findet sie hier.)Marsha Kömpel (36), PR-Beraterin und Social-Media-Managerin, zwei KinderWenn Marsha Kömpel ihre Söhne von der Kita abholte, bekam sie Sprüche zu hören wie “Ach der Kleine, das muss doch nicht sein”. Ihre Kinder sind heute drei und sieben Jahre alt, beide hat sie mit 15 Monaten in Betreuung gegeben.“Für mich wäre das Mamaleben zu einseitig und langweilig”, sagt sie. “Ich brauche auch ‘echte’ Menschen um mich herum. Menschen, mit denen ich über andere Sachen als über Kinder sprechen kann.”Die 36-Jährige beobachtet in ihrem Umfeld einen Trend: “Viele Frauen kündigen ihre Jobs und wollen wieder Vollzeitmutter sein.”Der Grund? Sie glaubt, dass manche Mütter der Mehrfachbelastung nicht gewachsen sind. “Haushalt und Co. bleiben meistens an uns hängen. Das kann dann schon ziemlich anstrengend werden.”Sie will trotzdem weiter arbeiten. “Mein Mann ist ja auch noch da. Außerdem sehen meine Jungs dann, dass zum Elternsein zwei Menschen gehören - Mutter und Vater.”Lydia Zoubek (49), Bloggerin und ehemalige Fachkraft für Telefonmarketing, zwei KinderLydia Zoubeks Fall ist ein bisschen spezieller als bei den meisten anderen Müttern. “Ich bin blind. Und ich bin Mutter. Für viele Menschen passt das nicht zusammen. Und nicht nur das: Ich bin blind, ich bin Mutter und ich arbeite.”Spätestens jetzt seien die meisten Menschen fassungslos, sagt sie. “Wie kann die nur?”, empörten sie sich. “Als blinde Frau Kinder in die Welt setzen und sie dann auch noch allein lassen?”Doch für Lydia Zoubek kam nie in Frage, ihren Job im Telefonmarketing aufzugeben. “Ich bin sehr früh wieder arbeiten gegangen. Als meine Tochter ein Jahr alt war, wurde sie von einer Tagesmutter betreut.”Oft habe sie Kommentare zu hören bekommen wie “Du hast doch nicht Kinder in die Welt gesetzt, damit du sie gleich wieder irgendwo abstellst”, erzählt sie.“Ich habe das Gefühl, dass die arbeitende Frau, die arbeitende Mutter immer noch nicht in der Gesellschaft angekommen ist. Juristisch gesehen sind wir emanzipiert, aber in den Köpfen der Menschen ist das noch nicht verankert.”(Ihre Erlebnisse hat Lydia Zoubek uns auch in einem ausführlicheren Blogbeitrag beschrieben. Hier gelangt ihr dorthin.)Yvonne Lesner (31), Bloggerin bei “Mamas Daily”, ein KindYvonne Lesner bekommt Gegenwind vor allem von anderen Müttern - aus der Krabbelgruppe zum Beispiel.“Sie finden es seltsam, dass ich arbeite, obwohl mein Kind nicht in die Krippe geht. Sie fragen sich, wie das kindgerecht funktionieren kann.” Dabei passt seine Großmutter auf den Kleinen auf, wenn seine Mutter arbeitet.“Ich bekomme ständig blöde Kommentare zu hören nach dem Motto: Wenn mein Sohn schon nicht in die Krippe geht, solle ich mich doch bitte auch 100 Prozent um ihn kümmern.”Yvonne Lesner findet, dass die Deutschen sehr hinterwäldlerisch denken. “Insgeheim vertritt man immer noch die Meinung: Mutter bleibt zu Hause, sorgt für das Kind und steht hinter dem Herd. Unsere Gesellschaft muss gegenüber Müttern, die früh oder viel arbeiten, viel offener sein.”Christine Finke (51), Autorin, drei KinderCredit: Anna GladkovaChristine Finke ist für viele ein Feindbild, die ein klassisches Familienbild propagieren. Sie ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern, berufstätig und noch dazu politisch aktiv.Sie glaubt, dass man als Mutter sowieso nur alles falsch machen kann. “Erst bekommst du zum falschen Zeitpunkt Kinder, dann gehst du zum falschen Zeitpunkt wieder arbeiten, und dein Erziehungsstil wird wahlweise mit Rabenmutter oder Helikoptermama kritisiert.”Da sei es nur konsequent, dass Alleinerziehende erst recht nichts richtig machen können. “Die haben ja schon durch die bloße Trennung versagt: Wenn sie verlassen wurden, konnten sie den Mann nicht halten, wenn sie ihn selbst verließen, war das eine leichtfertige, egoistische Entscheidung, und egal, wieviel Mühe sie sich geben, an ihnen und den Kindern klebt immer noch ein Makel.”Tanja Bräutigam (44), Sporttherapeutin und Autorin von “5 Wochen Rabenmutter”, zwei KinderBei Tanja Bräutigam sieht das Ganze völlig anders aus. Auch sie entspricht nicht dem Bild der perfekten Mutter - doch aus einem ganz anderen Grund. Als ihre beiden Kinder klein waren, hatte sie einen Burnout.Vorher war sie finanziell unabhängig gewesen, hatte für die Kinder aber ihren Job aufgegeben. Ihr Mann war beruflich viel unterwegs, sie fühlte sich allein gelassen.“Ich konnte nicht mehr schlafen, bekam Panikanfälle”, erinnert sie sich. “Ich begann eine Therapie und war fünf Wochen von meinen Kindern getrennt. Ich fühlte mich wie eine Rabenmutter.”Die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und Mütter hätten bei ihrem Zusammenbruch eine große Rolle gespielt, da ist sie sicher.“Man bekommt häufig gerade von der älteren Generation zu hören ‘Mein Mann hat auch nie was getan, wir mussten unsere Kinder schon um zwölf aus dem Kindergarten holen und haben das doch auch alles geschafft’.”Die Älteren könnten oft nicht nachvollziehen, wieviel mehr die jüngere Generation zu stemmen habe. “Studium, in einen Beruf hineinfinden, finanzielle Probleme. Heute führen wir ein ganz anderes Leben als damals, wo man wusste: Ich habe nun für 40 Jahre diesen Job, diese Rollenverteilung und damit auch Sicherheit.”(Mehr zur Geschichte von Tanja Bräutigam könnt ihr hier in ihrem Blogbeitrag lesen, der bei uns erschienen ist.)Annette Loers (46), Kulturmanagerin, zwei KinderCredit: Karin FiedlerFür Annette Loers fühlt sich das Leben an wie ein ständiger Spagat zwischen den Kindern und dem Job. Seit sieben Jahren lebt sie mit ihren Kindern (10 und 12 Jahre) allein und ist als Kulturmanagerin voll berufstätig.“Meistens kann ich mir einteilen, wann ich arbeite”, sagt sie. “Es ist trotzdem wahnsinnig anstrengend, denn so gut wie alle wichtigen Termine finden dann statt, wenn die Schule aus ist und die Kinder zu Hause sind.”Ihr ständiges Dilemma: “Allzu oft lasse ich die Kinder allein und ebenso oft lasse ich Arbeit liegen.”Kinder bräuchten gemeinsam verbrachte Zeit, und zwar mehr als die wertvoll aufgeladenen 15 Minuten am Abend. “Ich soll arbeiten, als ob ich keine Kinder hätte, und umgekehrt für meine Kinder da sein, als ob ich nie arbeiten müßte. Das funktioniert nicht.”Annette Loers großes Anliegen: “Ich will nicht meine Kinder, meinen Job und mich um die gesellschaftlichen Verhältnisse drumherum drapieren. Ich will, dass Familien ohne weitere Erwähnung mitgedacht werden. Ich will keine Rücksicht und keine Geschenke, ich will einfach keine Behinderung meines wichtigsten ‘Jobs’: intelligente und gut ausgebildete Menschen zu erziehen, die in 20 Jahren für uns arbeiten gehen und diese Gesellschaft weiter tragen.”Arbeit und Familie zufriedenstellend vereinbaren? Für die meisten nicht möglichDie Geschichten all dieser Mütter zeigen: Nicht nur sind die Erwartungen an Frauen mit Kindern in unserer Gesellschaft absurd hoch und haben wir ein seltsames Bild davon, wie Mütter sich zu verhalten haben.Auch die Strukturen sind noch längst nicht so, dass es Müttern gelingen könnte, Arbeit und Familienleben zufriedenstellend zu vereinen: Unternehmen sind nicht flexibel genug, was etwa Arbeitszeitmodelle angeht und der Staat stellt zu wenig Betreuungseinrichtungen zur Verfügung.Die Folge: junge, ehrgeizige, motivierte Frauen, die sobald sie Mutter werden, in einem Strudel aus eigener Verzweiflung und Verachtung von außen gefangen sind. http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963505-deutschland-ein-modernes-land-was-diese-10-mutter-erlebt-hab Thu, 28 2019 09:01:03 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963505-deutschland-ein-modernes-land-was-diese-10-mutter-erlebt-hab Vor einem Jahr beschloss dieser Chef, gezielt Mütter einzustellen - das ist das Ergebnis Vor elf Monaten wurde Michael Kasper mit einer Stellenanzeige zum Held der Mütter – und bekam seitdem auch KritikDabei beweist der Agenturchef, wie leicht sich eines der größten Probleme der deutschen Wirtschaft lösen ließeZwei Worte reichten, um Michael Kasper bundesweit in die Medien zu bringen: “Mama gesucht.”Mit diesen Worten überschrieb der Unternehmer aus Freising bei München vor knapp einem Jahr eine Jobausschreibung für seine Kreativagentur auf Facebook.Er hatte eine Teilzeitstelle zu vergeben und suchte explizit nach Müttern. “Einstellungsvoraussetzung: ein Kind zur Welt gebracht zu haben.”Die sympathische Begründung: “Mamas sind stressresistent, gut vernetzt, oft bestens ausgebildet und können mit Kindern sowie Kindsköpfen umgehen.”Zeitungen von München bis Berlin nannten Michi den “Mama-Held”, große Frauenmagazine teilten seine Stellenanzeige online. In seinem Postfach sammelten sich die Mails von Frauen, die ihn für seine Ausschreibung feierten.Andere, die das Allgemeine Gleichstellungsgesetz damit verletzt sahen, waren weniger begeistert. Doch das war Michael Kasper egal.Kasper steht zu seiner ungewöhnlichen Recruiting-StrategieDer Unternehmer hat mit seiner ungewöhnlichen Anzeige unfreiwillig auch den Finger in eine der größten Wunde der deutschen Wirtschaft gelegt: Der Wirtschaftsboom in Deutschland hat dazu geführt, dass es für Unternehmen immer schwerer wird, neue Mitarbeiter zu finden.Die Zahl der offenen Stellen war Mitte des Jahres mit über 700.000 auf Rekordniveau. Jede dritte neue Stelle bleibt mangels geeigneter Bewerber unbesetzt.Ökonomen warnen deshalb schon vor einem Crash-Szenario. Vereinfacht gesagt geht das so: Unternehmen können nicht mehr wachsen, weil sie keine neuen Angestellten finden. Die Produktion stagniert – der deutsche Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre käme damit an sein Ende.Aber dass das nicht so sein muss, zeigt, was Michael Kasper in den Wochen nach seiner Anzeige erlebt hat. Nach kürzester Zeit hatte der junge Unternehmer aus Freising bei München einen ganzen Stapel Bewerbungen auf seinem Schreibtisch liegen.Kein Wunder, denn laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos aus diesem Jahr ist Frauen ihr Beruf längst genauso wichtig wie Männern. 80 Prozent der rund 2000 befragten Frauen gaben an, auf eine sinnvolle Tätigkeit Wert zu legen.Viele Mütter wollen in den Job zurückkehren, können aber nichtWenn sie ein Kind bekommen haben, können aber längst nicht alle Frauen, die das wollen, einem Job nachgehen. Die neuesten Zahlen dazu stammen zwar von 2011, damals jedoch waren laut Statistischem Bundesamt sechs Prozent der 6,7 Millionen Mütter in Deutschland auf Jobsuche.Ein Viertel aller Mütter war nicht berufstätig und suchte auch nicht nach einer Anstellung. Einer der Hauptgründe: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) hinderte die fehlende Kinderbetreuung daran, erwerbstätig zu sein.Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Familienministerium: 55 Prozent der jungen, gut qualifizierten Frauen planen Untersuchungen zufolge für sich eine Elternzeit von etwa einem Jahr. Häufig scheitert eine frühere Berufsrückkehr jedoch an den Rahmenbedingungen: Von Müttern, die länger als sechs Monate ausgestiegen sind, wären zwei Drittel gern früher oder in größerem Umfang wieder arbeiten gegangen.“Unsere Firma ist unsere Familie”, sagt Michael KasperDas sind eben jene Frauen, die Michael im Blick hat. Inzwischen hat der Unternehmer gleich mehrere Mütter an seiner Seite – und steht nach wie vor zu seiner unkonventionellen Recruiting-Strategie.Zwei der neu eingestellten Mütter sind Anna Wittke und Sandra Smolka, die Kasper seine “rechte und linke Gehirnhälfte” nennt. Wer die drei zusammen erlebt, würde nie denken, dass sie noch nicht mal ein Jahr zusammenarbeiten, so vertraut gehen sie miteinander um.“Unsere Firma ist unsere Familie”, sagt Kasper und rückt zufrieden grinsend seine Baseball-Kappe zurecht.Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, hat Anna selbst erleben müssen. Ihre Kinder sind zwei und vier Jahre alt. Als das zweite ein Jahr alt war, wollte sie in den Job zurückkehren. Aus finanziellen Gründen, aber auch weil sie sich nicht vorstellen konnte, noch länger zu Hause zu sein, wie sie sagt.Mütter müssen bei der Jobsuche viele Kompromisse machenDoch ihr Vorhaben war weniger leicht als gedacht. “Ich habe sicher 40 bis 50 Bewerbungen rausgeschickt”, sagt sie und beim Gedanken daran verfinstert sich ihr Gesicht.“Teilzeitstellen sind ohnehin rar gesät. Und in den Bewerbungsgesprächen machte man mir unmissverständlich klar, dass ich als Mutter von zwei kleinen Kindern nicht die erste Wahl bin.”Zu groß sei die Angst, dass Mütter ausfallen, wenn ihre Kinder krank werden oder sie sich wegen der familiären Verpflichtungen nicht angemessen auf den Job konzentrieren können.Ein weiteres Problem: Anna und ihr Mann hatten zu dieser Zeit noch keinen Krippenplatz für ihre Tochter. “‘Warum brauchen sie den denn, wenn Sie keinen Job haben?’, bekam ich in den Einrichtungen zu hören”, erzählt sie. “Einen Job habe ich wiederum nicht bekommen, weil ich keinen Krippenplatz hatte. Ein Teufelskreis.”Je länger sie keine Anstellung gefunden habe, desto mehr Kompromisse sei sie bereit gewesen einzugehen.Sieben von neun Angestellten bei Kasper sind FrauenAls sie auf die Jobausschreibung der Agentur Kasper stieß, stellte sie erleichtert fest: Hier würde sie keine Kompromisse machen müssen.Von den inzwischen neun Angestellten der Agentur sind sieben Frauen. Vier davon haben Kinder. Kasper selbst ist auch Vater einer einjährigen Tochter. Mariechen nennt er sie.Alle außer Kasper selbst arbeiten Teilzeit, zwischen 14 und 25 Stunden pro Woche.Familie gehört hier zum Konzept dazu – im Job und im Privatleben.Dass die Kleinen auch mal im Büro dabei sind, ist bei Kasper Communications ganz normal. “Wir würden auch gegenseitig unsere Kinder aus der Kita abholen, wenn der andere mal mehr zu tun hat”, sagt Sandra.Wie ihre Kollegin Anna hat auch sie zwei Kinder. Ihre sind schon älter, vier Jahre die Tochter und sechs Jahre der Sohn. Sandra konnte erst ins Berufsleben zurückkehren, als ihr Sohn fünf Jahre alt wurde. Zuvor wäre ein Job nicht mit der Arbeit ihres Mannes vereinbar gewesen wäre. Er musste in diesen Jahren geschäftlich viel reisen.“Mütter sind super organisiert und arbeiten wahnsinnig effizient”Wenn man Kasper fragt, ob er es bereue, so viele Mütter eingestellt zu haben und noch dazu in Teilzeit, schüttelt er vehement den Kopf.“Nein, überhaupt nicht”, sagt er. “Mütter sind super organisiert und arbeiten wahnsinnig effizient. Sie wissen: ‘Um zwei muss ich mein Kind aus der Kita abholen, bis dahin muss alles fertig sein’.”Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da.Der Karrierecoach Martin Wehrle berät Mitarbeiter großer DAX-Unternehmen und ist ebenfalls der Ansicht, dass Mütter Qualifikationen mitbringen, die anderen Angestellten häufig fehlen. “Moderne Firmen haben erkannt: Mutter-Sein ist die beste Management-Schulung”, heißt es in seinem Buch “Herr Müller, Sie sich doch nicht schwanger?! - Warum das Berufsleben einer Frau für jeden Mann ein Skandal wäre”.“Mütter trainieren in ihrem Alltag, Menschen zu führen, denn Erziehen heißt leiten. Mütter trainieren, ein Budget zu verantworten, denn jeder Haushalt verlangt Wirtschaften. Und Mütter trainieren, Prioritäten zu setzen und zu organisieren, denn nur so lässt sich der kleine Betrieb namens ‘Familie’ leiten.”Dennoch scheuten die meisten Mütter davor zurück, diese Stärken bei der Jobsuche zu betonen.“Nur eine von 25 Müttern kommt beim Bewerben auf die Idee, in ihren Unterlagen hervorzuheben, dass ihre Familienrolle sie fürs Management prädestiniert”, beobachtet Wehrle. “Die anderen 24 entschuldigen sich nahezu dafür, dass sie ihr Arbeitsleben unterbrochen und ein Kind zur Welt gebracht haben. Damit gießen sie Wasser auf die Mühle der Vorurteile.”Viele Chefs scheuen sich noch immer, Mütter einzustellenMichi Kasper hat bei seiner Strategie, gezielt nach Müttern zu suchen, übrigens seine Schwester inspiriert. “Sie arbeitet 25 Stunden die Woche. Es ist Wahnsinn, was sie alles gleichzeitig macht. Auf mich wirkt es immer so, als hätte sie vier Arme.” Er versteht nicht, dass nicht mehr Unternehmen nach derselben Strategie verfahren wie er. “Der Markt ist leer”, sagt der Unternehmer. “Wir haben hier in Freising Vollbeschäftigung.” Für die Arbeitgeber wird es damit immer schwieriger, gut ausgebildetes Fachpersonal zu finden. Umso paradoxer, dass viele Unternehmen sich dennoch immer noch scheuen, Mütter einzustellen.Auch Michi Kasper findet das nicht nur diskriminierend, sondern auch kurzsichtig. “Wenn nicht bald ein Umdenken stattfindet, dann werden die Firmen ein großes Personalproblem bekommen”, glaubt er. “Frauen sind für viele Firmen B-Ware. Das muss sich ändern.”Den Menschen werde Familie immer wichtiger. “Viele legen im Zweifelsfall mehr wert auf die Familie als auf ihre Karriere.”Mangelnde Vereinbarkeit von Familie und JobStudien geben ihm recht. Eine Untersuchung im Auftrag des Familienministeriums von 2015 ergab, dass sich fast die Hälfte der Eltern wünscht, dass Vater und Mutter annähernd gleich viele Stunden im Job sind. 45 Prozent der Befragten beklagten sich, ihr Arbeitgeber habe ihn bei einem Teilzeitmodell für beide allerdings Steine in den Weg gelegt. “Arbeitgeber müssen flexibler werden”, sagt Anna. Ihrer Ansicht nach vergessen viele Chefs einen sehr wichtigen Punkt, wenn es um loyale Mitarbeiter geht: “Das, was mein Chef mir als Mitarbeiterin entgegenkommt, stecke ich wieder an Herzblut in die Firma. Es ist ein Geben und Nehmen.”Das gelte nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter. “Für Familien eben”, sagt sie. Väter müssen ebenfalls mehr gefördert werden, findet sie. Mit Elternzeit-Optionen, Home Office, reduzierter Stundenzahl.Dass auch Väter ungerecht behandelt werden, wenn sie ein Kind bekommen, sieht sie an ihrem Mann. “Er wollte nach der Geburt unserer ersten Tochter Elternzeit nehmen”, erzählt sie. “Seine Vorgesetzten haben ihm unmissverständlich klar gemacht, dass er unter den Umständen nicht wiederkommen brauche. Er hat dann von selbst gekündigt.”Die bereits erwähnte Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeigt, dass Anna und ihr Mann nicht die Einzigen sind, die sich über mangelnde Vereinbarkeit von Job und Familie ärgern.28 Prozent der Befragten gaben an, dass es für sie nicht leichter, sondern sogar schwerer geworden sei, Kinder und Arbeit zu koordinieren.Anna selbst scheint das Glück zu haben, einen Chef mit außergewöhnlichem Familiensinn gefunden zu haben. Erfolgreiches Team mit Mitarbeitern in TeilzeitDie Agentur läuft gut, deswegen sucht Michi derzeit schon wieder nach neuen Mitarbeitern. “Ich bin gerade dabei, ältere Menschen oder sogar Rentner halbtags für nachmittags einzustellen”, sagt er. Auch bei ihnen nämlich sieht er im Gegensatz zu vielen anderen Arbeitgebern das unausgeschöpfte Potenzial.“Ältere Mitarbeiter haben viel mehr Lebenserfahrung. Ich glaube, sie können ein Team enorm bereichern.”Die Erste ist auch schon gefunden: Karin, 63 Jahre, ehemalige Vorstandssekretärin bei einer bekannten deutschen Firma. Michi beweist, was viele andere Arbeitgeber nicht wahrhaben wollen: Ein Team kann auch dann sehr gut funktionieren und Erfolg haben, wenn viele oder alle Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten – und wenn sie Kinder haben.Außerdem beweist er, dass sich eines der größten Probleme der deutschen Wirtschaft eigentlich sehr einfach lösen ließe. Wenn man dem Personalmangel mit denen entgegenwirkt, die ohnehin bereit stehen: gut ausgebildete Mütter.(jg) http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963496-vor-einem-jahr-beschloss-dieser-chef-gezielt-mutter-einzuste Thu, 28 2019 09:59:32 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963496-vor-einem-jahr-beschloss-dieser-chef-gezielt-mutter-einzuste Artgerechte Haltung? Ein Tag mit einem Bio- und einem konventionellen Schwein Eine saftig grüne Blumenwiese, Sonnenstrahlen, die ihre zartrosafarbene Haut wärmen, ihre Kinder suhlen sich im Dreck, zufrieden legt sie sich auf das warme Gras – so würden sich die Deutschen wohl wünschen, dass das Leben der Sau verläuft, bevor sie bei ihnen als Schnitzel auf dem Teller landet.Die Realität sieht nicht ganz so rosig aus – und das ahnen die Verbraucher. Es existieren Horror-Vorstellungen, dass das Schweinefleisch verunreinigt ist mit Antibiotika und Hormonen. Im Internet kursieren Fotos und Videos von Tieren, die auf engstem Raum in einem dunklen, riesigen, stinkigen Stall vor sich hinvegetieren – mit Tausenden Leidensgenossen, die sich gegenseitig durch ohrenbetäubendes Geschrei stressen, beißen und kratzen, während sie möglichst schnell möglichst fett werden sollen. Einer Forsa-Umfrage zufolge befürworten zwei Drittel der Deutschen strengere Vorschriften zur artgerechteren Haltung von Nutztieren. Doch wie werden Schweine in Deutschland wirklich gehalten? Und was wäre überhaupt eine Haltung, die artgerecht für die Tiere ist? Ist die Biohaltung wirklich so viel besser als die konventionelle Schweinemast?Um das herauszufinden haben wir uns mit einem Bio-Schwein und einem konventionellen Schwein getroffen – und beide einen Tag lang begleitet. Früher MorgenFrühstück für RobbieEs ist kurz vor 9 Uhr an einem Mittwochmorgen im Februar. Die Sonne scheint durch die eingestaubten Fensterscheiben – aus dem vorderen Teil des Stalls hört die Besucherin schmatzen und grunzen – die Ferkel und Jung-Schweine bekommen zuerst Futter. Robbie beginnt den Tag gemütlicher. Der Eber liegt entspannt im Stroh, die Schlappohren verdecken seine Augen. Er lässt seinem 200 Kilogramm schweren Körper noch etwas Zeit mit dem Wachwerden. Auch die drei Damen, mit denen er sich sein Stallabteil teilt, lassen sich von der Hektik der Jungtiere nicht aus der Morgenruhe bringen.Robbie lebt auf einem Demeter-Hof in Kloster Lehnin in Brandenburg. Er ist der Vater der etwa drei bis vier Dutzend Schweine, die auf dem Hof leben. Demeter e.V. ist der älteste Bioverband Deutschlands – die Betriebe folgen Vorgaben, die noch über die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung hinausgehen.Vier Säue werfen ein bis zwei Mal im Jahr Ferkel. Der Hof – auf dem es auch Kühe und Hühner gibt – dient vor allem der Selbstversorgung. Er ist Teil der gemeinnützigen Kinder- und Jugendhilfe am Gohlitzsee. Als Teil der Suchttherapie arbeiten Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren täglich auf dem Hof mit. Ein Teil des Fleischs geht an ein nahegelegenes Krankenhaus. Kapazitäten, mit dem Verkauf des Bio-Fleischs Geld zu verdienen, gibt es in Kloster Lehnin derzeit nicht. Dafür ist die Mast und der Eigenanbau des Futters zu aufwendig und dauert zu lange, erklärt Nathanael Auermann, der den Hof seit einigen Jahren führt. Allerdings gibt es Demeter-Betriebe, die auch für den kommerziellen Verkauf produzieren. Ein Kilo des Bio-Schweinefleisch kostet in deutschen Supermärkten dann zwischen 26 und 30 Euro.“Morgens wenn wir in den Stall kommen und Robbie noch da liegt und wir ihn dann kraulen, legt er sich wie so ein Chihuahua auf die Seite. Er liebt das”, erzählt einer der Jugendlichen. Als Futter in die Tröge kommt, werden auch die Stall-Ältesten langsam munter. Zu fressen gibt es eine Mischung aus geschroteter Gerste, Lupinen, Hafer, Roggen – alles wird auf dem Hof angebaut. Manchmal sind noch Erbsen untergemischt.So richtig viel Lust zu fressen haben die Herrschaften am frühen Morgen allerdings nicht, dafür läuft Robbie gemächlich umher und grunzt die Säue an. In einer Ecke des Stallbereichs sind Kot und Urin. In einer anderen angehäuftes Stroh.Artgerechter Stall“Es gibt verschiedene Funktionsbereiche in der Haltung. Man kann sich das ein bisschen vorstellen wie eine Wohnung. Schweine benötigen einen Bereich, in dem sie liegen können, einen Bereich, wo sie aktiv sein könnten, einen, wo sie Nahrung zu sich nehmen können, und einen Bereich, der als Toilette fungiert. Und – bei der ökologischen Haltung so vorgeschrieben – noch einen Bereich, wo sie nach Nahrung suchen, also wühlen können”, sagt Lars Schrader, Leiter des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tierschutz und Tierhaltung.“Wenn sie nicht fressen wollen, können sie raus”, sagt Angermann an die Jugendlichen gerichtet, die heute Dienst bei den Schweinen haben. Das Gitter geht auf und Robbie läuft gemächlich an dem hölzernen Schiebetor vorbei Richtung Sonne – und Frischluft.Wer stark ist, darf zuerst frühstückenEs ist 7.43 Uhr an einem Märzmorgen in Mausitz in Sachsen. Erika Galle öffnet sachte die Tür zu dem Stall-Abteil in dem gerade 116 Läufer – so werden Hausschweine genannt, wenn sie zwischen 25 und 50 Kilogramm wiegen - wohnen. Die Tiere schrecken hoch, bleiben wie angewurzelt stehen und starren uns an. “Unsere Schweine sind sehr schreckhaft”, sagt Galle. Sie arbeitet seit 1984 auf dem Hof, seit 16 Jahren gehört er zu den Agrarprodukten Kitzen, einem landwirtschaftlichen Mischbetrieb mit mehreren Höfen in der Region – neben Schweinen hält der Betrieb auch Kühe.2300 Schweine leben derzeit auf dem Hof, Platz gibt es für 3000 – um alle kümmert sich Tierwirtin Galle. Jedes Jahr werden rund 9000 Schweine geschlachtet. Die Tiere werden in Gruppen von 15 Tieren in einer sogenannten Bucht gehalten – getrennt nach Alter und Größe. Je nach Alter gibt es unterschiedliche Futtermischungen. Galle geht jeden Morgen durch alle Stallbereiche und kontrolliert, ob alles in Ordnung ist.Gefüttert wird in Mausitz – außer bei den Ferkeln – nicht von Hand. Durch die Automatisierung können die Schweine den ganzen Tag fressen – und trinken. Unter den 15 Schweinen, die um 7.43 Uhr geweckt werden, ist eine Sau mit zwei großen Flecken am Rücken. Ihren Tag werden wir heute begleiten – Namen haben die Tiere nicht. Wir nennen die Sau mal Flecky.Die Tiere sind erst ein paar Wochen alt. Als sie wach sind und merken, dass es neues Futter gibt, drängen sie alle Richtung Trog. Sie quieken einander an und quetschen sich vor. Wer stark ist, kommt zuerst dran. Auch Flecky hat zu kämpfen. Wenige Minuten später läuft das junge Schwein in die rechte hintere Ecke des Stalls. Zeit für die Morgen-Toilette. Seit etwa zwei Wochen ist die Läufer-Gruppe in diesem Stallbereich. Seitdem hat sich bereits einiges an Kot und Urin angesammelt. Wenn es zu viel wird, säubert Erika Galle.Doch meistens genüge es, denn Stall zu säubern, wenn die Tiere ins nächste Abteil kommen. “Dann wird restlos gekärchert und desinfiziert – es ist piek sauber vor der Einstallung.” Bis dahin sammelt sich die Gülle unter dem Boden der Ställe, was einen beißenden Ammoniak-Geruch hinterlässt. Für bessere Luft und damit die Tiere gut atmen können, sprüht Galle ein Spray mit Eukalyptus-Duft in die Stallabteile.Artgerechter Morgen“Eine artgerechte Haltung erkennt man auch daran, dass die Tiere wirklich beschäftigt sind. Sie sind eigentlich tagaktive Tiere und sehr anpassungsfähig. Mit der Morgendämmerung wachen sie auf und stehen auf, es folgt Sozial- und Komfortverhalten (Anm. d. Red.: Körperpflege), Kot und Harn lassen – möglichst weit weg vom Schlafplatz. Denn Schweine sind eigentlich sehr saubere Tiere”, sagt Lars Schrader.MorgenWühlen in der Sonne“Den Sommer über ist Robbie die ganze Zeit draußen. Aber im Winter ist es zu kalt”, sagt Angermann. Draußen ist ein großer eingezäunter Auslauf, der direkt an den Stall anschließt. Es ist inzwischen nach 9 Uhr. Robbie streift umher.Kurz wagt sich das 12-jährige Sattelschwein mit den Hinterbeinen in das modrig grüne Wasser des Tümpels. Doch so richtig Lust, sich zu suhlen, hat er offenbar nicht. Die Temperaturen liegen auch nicht allzu weit über null Grad. Stattdessen zieht es Robbie ans andere Ende des Geländes – irritierend leichtfüßig und grunzend galoppiert der Koloss mit wackelnden Ohren zu einer seiner Herzensdamen, beschnüffelt sie kurz und beschließt dann, der Lieblingsbeschäftigung aller Schweine nachzugehen: Dem Wühlen.Wühlen“Die Nase von Schweinen hat eine ganz bestimmte Form und Funktion – sie ist eigentlich ein Wühlwerkzeug. Ein Großteil der Aktivität von Schweinen am Tag fällt auf die Nahrungssuche. Dazu nutzen sie dieses fantastische Tast- und Riechorgan, das empfindlicher ist als unsere Fingerkuppen und unsere Nase. Mit der Nase im Boden wühlend suchen sie über den Geruch Nahrung”, erklärt Lars Schrader.Mit Kratzen und Beißen zum Futter10.30 Uhr. Auch bei den Läufern in Mausitz wäre jetzt Wühl-Zeit. Doch Erde oder Stroh gibt es dafür nicht. Ein paar der Tiere schnüffeln dennoch über den Stall-Boden. Andere kämpfen wieder um den Futtertrog. “Wir haben es mal mit Stroh probiert, aber das hat die ganzen Gülle-Keller verstopft und wir haben sie nicht mehr freibekommen”, erklärt Erika Galle.Ihr Chef Thomas Druskat pflichtet ihr bei und ergänzt: “Stroh birgt in Schweinebeständen ein hohes Gesundheitsrisiko. Das sieht alles gut aus, aber durch das Stroh kommen auch Mäuse und Vögel – das birgt Gesundheitsgefahren. Auch kann das Stroh belastet sein mit Keimen, die den Organismus der Schweine beeinträchtigen.”Aus demselben Grund hält der Betrieb seine Tiere nur im Stall und nicht im Freien. Im Freien ist die Gefahr für die Tiere krank zu werden höher, sagt er. Schweine, die unter frischer Luft gehalten werden, müssten zahlreichen Impfungen ausgesetzt werden.Druskat ist einer der drei Chefs des landwirtschaftlichen Mischbetriebs Agrarprodukte Kitzen. Er will seine Schweine nur dann mit Medikamenten versorgen, wenn es unbedingt notwendig ist. Dem Futter werden alle zwei Tage Vitamin-Präparate beigemischt, zusätzlich natürliche Wirkstoffe, die Durchfall und andere Erkrankungen verhindern sollen.Eine prophylaktisch Behandlung mit Antibiotika gibt es in Mausitz nicht – und es wäre auch generell nicht erlaubt. “Der Einsatz von Antibiotika wird genau dokumentiert. Wir liegen diesbezüglich immer unter dem bundesweiten Durchschnitt – wäre dem nicht so, müssten wir uns gemeinsam mit dem Veterinäramt hinsetzen, analysieren warum das so ist und Maßnahmen dagegen ergreifen”, erklärt Druskat.Robbie und die anderen Bio-Schweine dürfen Demeter-Richtlinien zufolge keinerlei Tiermehle oder andere Zusatzstoffe im Futter haben. Auch vorbeugende Medikamente wie Antibiotika oder Hormone sind tabu. Insgesamt dürfen Demeter-Schweine nur zwei Mal in ihrem Leben mit Antibiotika behandelt werden.Flecky scheint derweil noch Hunger zu haben und versucht an den Trog zu gelangen. Die Tiere vertragen sich grundsätzlich gut, darauf achte sie auch penibel, sagt Erika Galle. Dennoch könne es vorkommen, dass sich die Tiere kratzen und in die – zum Schutz sowieso schon abgeschnittenen – Schwänze beißen. Überall im Stall sieht man blutverkrustete Stummelschwänze – die Tierwirtin sprüht sie mit blauer Farbe ein. Ein verträglicher Stoff, der dafür sorge, dass das verletzte Schwein von seinen Artgenossen in Ruhe gelassen werde und die Wunde in Ruhe heilen kann. Auch Flecky hat ein paar Schrammen, ihr rechtes Ohr ist blutverkrustet. Ausgleich zum Wühlen“Der Drang zu wühlen ist nicht weggezüchtet worden – obwohl wir ihnen Nahrung geben, gibt es trotzdem diese Motivation, die den Schweinen ständig sagt, ‘such Nahrung’. Wenn diese Motivation nicht an Wühlmaterial ausgelebt werden kann, fangen sie eben an, Artgenossen zu bewühlen und zu bebeißen. Das Risiko von Verletzungen und Bisswunden steigt”, sagt Lars Schrader.VormittagSonne tanken in Brandenburg11.29 Uhr in Kloster Lehnin. Robbie genießt das warme Wetter. Während die drei Säue weiter wühlen und buddeln, hat er sich etwas abseits in der Nähe der Stallwand ein ruhiges Plätzchen gesucht. Dort streckt er seine vom Wühlen verdreckte Schnauze in die Sonne und grunzt leise vor sich hin.Spielen statt WühlenIn Sachsen geht es derweil weniger gemächlich zu. Es ist 11.14 Uhr und Flecky hat Durst. Einige ihrer Stallgenossen spielen und knabbern an Seilen und einem Holzpflock hinter ihr, während es die junge Sau sichtlich zu genießen scheint, in Ruhe trinken zu können. Es gibt zwar keine Erde zum Wühlen oder Stroh im Stall – dafür aber Spielgeräte, mit denen sich die Tiere beschäftigen können.“Wir achten das Tier als Lebewesen, nicht nur als Produkt. Das Tier hat auch ein Recht, dass es in der Funktion, wo wir das Tier halten, dementsprechend gewürdigt und geachtet wird”, sagt Druskat. Gerne würde er nur 14 statt 15 Tiere in einer Bucht halten – doch momentan ist das nicht drin, dafür müsste erst der Fleischpreis steigen.“Wir kriegen für ein Schlachtschwein, das rund 175 Tage bei uns ist und gemästet wird, 135 bis 140 Euro”, erklärt er. Für ein Kilogramm Schweinefleisch bekommt er derzeit 1,50 Euro, eine Woche zuvor lag der Preis, der jede Woche neu notiert wird, noch bei 1,43 Euro. Zwischen 4,70 und 8,99 Euro kostet das Fleisch dann pro Kilogramm im Laden. Die Preise sind – je nach Bundesland und Supermarkt unterschiedlich und entsprechen in diesem Fall den Angeboten von REWE in Berlin. Das Bio-Schweinefleisch kostet dort mehr als das Dreifache.“Das Fleisch im Laden ist zu billig und es ist auch ein Wahnsinns-Angebot. Muss das alles jeden Tag vorrätig sein? Das viele Obst, das schnell verdirbt, Milchprodukte, Fleischprodukte?” Druskat und Erika Galle sind sich einig, dass die Menschen weniger Fleisch essen und mehr bezahlen sollten. Ein Großteil des Schweinefleisch aus Mausitz wird an Großabnehmer in der Region geliefert. Rund 9000 Tiere werden jedes Jahr schlachtreif auf 84 bis 104 Kilogramm gemästet. Sowohl der Zuchtbetrieb als auch der Schlachthof liegen nicht weit entfernt vom Maststall in Mausitz. Dass die kurzen Transportwege den Schweinen einiges an Stress nehmen, ist Druskat wichtig.Artgerechter Raum“Der Platz an sich ist von der Größe her nicht unbedingt entscheidend. Es ist einfach wichtig, dass es ausreichend Platz gibt, um die verschiedenen Bereiche einzuhalten. Und zum Schlafen braucht ein Schwein im Grunde genommen nur so viel Platz, wie es Körperfläche hat, denn die Tiere schlafen gerne in engem Körperkontakt. Wenn es allerdings warm ist, bei höheren Temperaturen zum Beispiel im Hochsommer, müssen sich Schweine ausstrecken können. Denn, weil sie nicht schwitzen können, können sie Wärme nur über die Hautoberfläche abgeben.”Mittag Wildes Gewusel in Brandenburg12.37 Uhr. Schichtwechsel. Robbie und die Säue sind wieder im Stall – jetzt dürfen die Jungtiere raus. Neugierig wuseln sie übers Gelände, fängt einer an einer Stelle an zu wühlen, kommen gleich viele hinterher. Unermüdlich wühlen sie übers ganze Gelände, der ein oder andere springt und rennt umher. Einer der Kleinsten quetscht sich durch die Gitterstäbe, die das Auslaufgelände begrenzen, ein Größerer will es ihm gleich tun – doch er passt nicht durch.Artgerechter Mittag“Dann sind sie in natürlicher Umgebung den ganzen Vormittag auf Nahrungssuche, um die Mittagszeit legen sie sich zur Ruhe. Am Nachmittag zeigen sie nochmal etwas Sozialverhalten. Wenn es warm ist, suhlen sie sich gerne, um sich abzukühlen”, sagt Lars Schrader.Früher ließ Angermann die Ferkel in den ersten Wochen immer über den Hof laufen – doch das hat ihm das Veterinäramt inzwischen untersagt. “Wegen Keimen und der Gefahr, dass sie sich überall anstecken könnten, weil sie alles fressen – dass es aber eine alte robuste Rasse ist, die dagegen immun ist und es ihr Immunsystem gestärkt hätte, das wollten sie nicht glauben”, ärgert sich Angermann. Der Fleisch-Konsum der DeutschenLaut dem Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung lag der jährliche Fleischkonsum der Deutschen 2018 pro Kopf bei 60,15 Kilogramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt etwa die halbe Menge.Am liebsten essen die Deutschen noch immer Schweinefleisch – 35,7 Kilogramm waren es im Jahr 2018 – knapp 60 Millionen Schweine werden in Deutschland jährlich geschlachtet.Am zweitliebsten essen Deutsche Geflügel – knapp 13 Kilogramm waren es im vergangenen Jahr.Laut dem Bundesernährungsreport 2019 essen 28 Prozent der Deutschen täglich Fleisch – ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren. 2018 waren es 30, 2017 waren es noch 34 Prozent. 6 Prozent der Deutschen ernähren sich vegetarisch, ein Prozent vegan.Probleme mit Krankheiten hätten seine Schweine kaum, außer manchmal mit Würmern, vor allem die Kleinen seien betroffen. Deshalb entkalkt er mit Hilfe der Jugendlichen jeden Tag den Stall, kärchert ihn aus und die Tiere bekommen frisches Stroh.Die Ferkel wachsen deutlich langsamer als in konventioneller Mast. Bis ein Schwein geschlachtet wird, lebt es auf dem Hof in Brandenburg 1,5 bis 2 Jahre – in einem konventionellen Betrieb werden die Tiere nur 180 Tage alt. “Bei uns dürfen die Schweine Geburtstag feiern”, scherzt Angermann. Doch das weniger mit Proteinen und anderen Fettmachern angereicherte Futter sorgt auch dafür, dass es nicht alle Ferkel schaffen – schwache Tiere versucht Angermann mit Haferflocken und Milch aufzupäppeln. Und dass die Tiere viel Auslauf haben sorgt auch noch zusätzlich dafür, dass sie nicht so schnell an Gewicht zulegen.Ökologische Landwirtschaft in DeutschlandLaut dem Bund für ökologische Lebensmittelwirtschaft gab es in Deutschland im Jahr 2017 29.174 Bio-Höfe. Das entspricht etwa zehn Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe.5,1 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes machten Bio-Produkte in Deutschland im Jahr 2016 aus.Bei Fleisch ist der Bio-Anteil deutlich geringer: 2016 lag er bei Geflügel bei 1,4 Prozent, bei Rotfleisch (Schwein, Rind, Lamm, Schaf und Kalb) bei 1,8 Prozent und bei Fleisch- und Wurstwaren bei 1,2 Prozent.In absoluten Zahlen ist Deutschland zwar der größte Bio-Markt in Europa, beim pro-Kopf-Umsatz (116 Euro im Jahr 2016) liegen allerdings andere Länder vorne.Klimaanlage statt Sonnenschein12.16 Uhr in Sachsen – Spielzeit. Gemeinsam mit zwei anderen Säuen schlabbert Flecky an einem der Seile in der Ecke des Stallabteils.In die Sonne legen so wie Robbie kann sich Flecky nicht. Um den Tieren dennoch angenehme Temperaturen zu ermöglichen, gibt es eine Klimaanlage und Heizvorrichtungen. Die automatische Regulierung des Klimas sorgt durchgängig für frische und temperierte Luft – auch sie ist an das jeweilige Alter der Tiere angepasst.Die Kleinsten bleiben vier Wochen bei ihrer Muttersau. Danach werden sie in ihren Stallabteilen mit großflächigen Wärmeplatten versorgt, um sich an die neuen Umstände gewöhnen zu können. Auch die Lufttemperatur ist bei den Ferkeln wohlig warm und sie haben noch einen extra Ball zum Spielen. NachmittagSabberndes Warten auf die zweite Runde Futter Robbies Tag neigt sich dem Ende zu. Es ist 15.12 Uhr. Während die Jungschweine im Freien unermüdlich weitergewühlt haben, haben sich der Eber und die drei Säue ein Schläfchen im frischen Stroh gegönnt.Artgerechter Nachmittag“Nachmittags folgt noch einmal Nahrungssuche und -aufnahme. Vor dem Schlafengehen interagieren sie noch gern mit anderen Schweinen. Und dann wird wieder geschlafen”, erklärt Lars Schrader.Doch plötzlich werden sie wieder munter. Die Jungen werden zurück in den Stall getrieben. Robbie und eine der Säue laufen grunzend im Kreis, der Eber wühlt im frischen Stroh. Als er bemerkt, dass die zweite Runde Futter auf dem Weg ist, drückt er seine feuchte Schnauze an die Stallgitterstäbe und fängt an zu sabbern. Schlummerzeit in Sachsen13.57 Uhr in Mausitz. In Fleckys Stall ist Ruhe eingekehrt. Nach dem Trubel und dem Kampf um Futter und Spielgeräte haben sich die jungen Schweine in einer Reihe aneinander gelegt und dösen. Mittendrin schlummert auch Flecky. Nur eine Sau ist noch nicht müde. Sie sitzt auf ihrem Hintern und beschäftigt sich mit den Spielgeräten in der Ecke. Ende gut, alles gut?Haben Robbie und Flecky denn jetzt ein artgerechtes und zufriedenes Leben?“Ob Schweine glücklich und zufrieden sind, lässt sich schwer messen. Aber was man erkennen kann, sind Verhaltensstörungen und Verletzungen, wie offene und verschorfte Wunden, ob sie Probleme mit den Klauen haben oder lahm sind. Solche Verletzungen sind zumeist mit Schmerzen verbunden”, sagt Lars Schrader. Flecky hat Wunden, im Stall gibt es einige Kämpfe. Doch wirklich lahm war keines der Schweine und wer sich nicht mit anderen verträgt, wird umgestallt.“Bestimmte Verhaltensmerkmale können darauf hindeuten, dass die Tiere entspannt sind. Wenn sie zum Beispiel Spielverhalten zeigen, durch die Gegend tollen oder plötzlich aufspringen. Solches Spielen hat keine unmittelbare Funktion, und man kann daraus schließen, dass sie in dieser Situation zumindest entspannt sind und dann vielleicht auch so etwas wie Zufriedenheit empfinden”, erklärt Lars Schrader.Demeter-Schweine leben anders als ihre konventionell gehaltenen Artgenossen – das steht fest. Doch artgerecht gehalten können beide sein. Am Ende zählt nicht, ob die Tiere viel im Freien sind oder nicht, sondern vor allem, wie aktiv sie sind und wie friedlich sie miteinander umgehen. Und Flecky geht es dabei wohl noch besser als tausenden Schweinen, die in deutlich größeren Betrieben gemästet werden.Entscheidend ist vor allem eins: Geld. Wenn der Verkaufspreis höher ist, bedeutet das auch einen besseren Alltag für die Schweine. Der Deutsche Bauernverband fordert schon lange eine drastische Erhöhung der Preise. “Schweinefleisch müsste für die Verbraucher fast doppelt so teuer werden, damit wir die Tierschutzvorgaben wie die Kastration von Ferkeln unter Narkose oder deutlich mehr Platz für die Sauen erfüllen können – ohne bankrottzugehen”, forderte Werner Schwarz, Vizepräsident des Verbands, im vergangenen August. Menschen würden sich zwar eine bessere Haltung der Schlachttiere wünschen, oft seien sie aber nicht bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Das ergab auch eine Studie der Hochschule Osnabrück vom Januar 2019. Demnach sind nur 16 Prozent der Verbraucher tatsächlich bereit, für mehr Tierwohl auch mehr zu bezahlen.Wer also will, dass auch das Leben von Flecky so angenehm ist wie das von Robbie sollte vor allem eins tun: Weniger häufig Fleisch essen und bereit sein, dafür auch mehr Geld auszugeben.(ben/vw) http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963493-artgerechte-haltung-ein-tag-mit-einem-bio-und-einem-konventi Thu, 28 2019 13:56:53 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963493-artgerechte-haltung-ein-tag-mit-einem-bio-und-einem-konventi Warum die HuffPost und ihre Elternberichterstattung in der Medienlandschaft fehlen werden Als ich erfuhr, dass die HuffPost Deutschland mit Ende März 2019 Ihren Betrieb einstellt, war ich gleich aus mehreren Gründen betroffen.Zum einem verliert der deutschsprachige Raum eine auch sehr mutige Medieninstitution, die stets bemüht war, zu sagen, berichten und sichtbar zu machen, was politisch und/oder mehrheitlich-gesellschaftlich als nicht gewollt, verdrängt, nicht verständlich, oder schlicht auch nur als nicht nachvollziehbar gesehen wurde. Eine wahrhaft demokratische Gesellschaft hört vor allem auch den Minderheiten zu. Als Historiker muss ich zudem konstatieren, dass – heute mehr denn je – die “breite Masse” sich stets irrte. Das ist im Wesentlichen seit Jahrtausenden so, seitdem es Arm und Reich, “Unten” und “Oben” gibt. Dringend sollten wir uns auch wieder in Erinnerung rufen, dass ausnahmslos alle großen gesellschaftlichen Veränderungen für eine wieder humanere und gerechtere Welt stets und ausschließlich von “Unten” herbeigeführt und erkämpft wurden.HuffPost gab dem “Unten” eine StimmeDiesem “Unten” gab die HuffPost stets eine Stimme, eine gelungene Reportage, einen lesenswerten Artikel. Hier etwas verkürzt mit der Stimme der großen deutschen Historikerin, Philosophin und Journalistin Hannah Arendt: Alles Politische, das nicht gesellschaftlich ist, ist nicht politisch. Und alles Gesellschaftliche ist per se politisch. Die HuffPost bemühte sich stets und vorrangig in diesem Sinne um einen gesellschaftlichen Journalismus. Wie viele “Leitmedien” können das gegenwärtig noch von sich behaupten?Als Historiker und Kindheitsforscher bedauere ich vor allem das Verschwinden der Eltern-Seite. Die stellte beinahe schon eine Rarität in der gesamten Medienlandschaft dar. Kaum ein Portal berichtete so vielfältig zum Thema Familie, Kindheit, Erziehung und Bildung. Kaum ein Portal stellte sich so konsequent auf die Seite von Eltern, Pädagogen und allen Menschen, die täglich – zumeist unter geringer oder gar keiner Bezahlung – die wichtigste Arbeit jeder Gesellschaft vollbringen: Kinder und Eltern zu stützen und zu begleiten.Eine Gesellschaft, die das nicht mehr als vorrangiges, höchstes gemeinsames Bestreben an- und erkennt, steht vor dem Abgrund. Wie groß bereits die Chance ist, dass hier eine Gesellschaft wieder “in den Abgrund stürzt”, zeigten jüngst die vor allem auch medialen “Ereignisse” um den Dokumentarfilm “Elternschule”. Ich will hier nicht noch einmal auf die erschütternden Reaktionen und Lobeshymnen vieler staatlicher(!) und sogenannter Leitmedien eingehen. Dazu habe ich einen Kommentar für die HuffPost geschrieben. Die HuffPost war eine der ganz wenigen Medieninstitutionen, die sich sofort und konsequent gegen diesen zutiefst Kindes- und Menschen verachtenden, und mit Verlaub, entbehrlichen Film stellte. Wir brauchen Beziehung statt Erziehung  Es ist ein großer Verlust für die deutsche Medienlandschaft, dass es die HuffPost alsbald nicht mehr gibt.Es ist ein großer Verlust, dass es diese Eltern-Seite mit all ihren Journalistinnen und Journalisten, Redakteurinnen und Redakteuren nicht mehr gibt, die allesamt offenbar verstanden haben: Als gesamte Gesellschaft brauchen wir dringend (wieder) mehr echte Beziehung statt (gewaltvoller) “Erziehung”.Mein ganz persönlicher Dank gilt der Redakteurin Gina Louisa Metzler, die sich immer und immer wieder mit mutigen, empathischen und hervorragend recherchierten Artikeln ausschließlich auf die Seite der “Machtlosen” stellte, auf die der Kinder. – Unser aller Zukunft! Den Zustand einer Gesellschaft erkennt man – heute mehr denn je – am Umgang mit ihren Kindern.Ich möchte meinen “Abschiedskommentar” für die Eltern-Seite der HuffPost mit einem Zitat des begnadetsten Cellisten des 20. Jahrhunderts und Friedensaktivisten Pablo Casals abschließen, das auch mein aktuelles Buch Kindheit 6.7 beendet:“Das Kind muss wissen, dass es selbst ein Wunder ist, dass es seit Anbeginn der Welt noch nie ein anderes Kind gegeben hat, das genauso war wie es, und dass es auch in der Zukunft kein solches Kind geben wird.”Mit großem Dank für die jahrelange engagierte Berichterstattung und besten GrüßenMichael Hüter Verleger, Autor, Historiker und Kindheitsforscher http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963482-warum-die-huffpost-und-ihre-elternberichterstattung-der-medi Fri, 29 2019 11:19:23 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1963482-warum-die-huffpost-und-ihre-elternberichterstattung-der-medi Sonos fragmentiert: Alte Speaker verstehen Neue bald nicht mehr Für einige alte Lautsprecher des Herstellers Sonos nähert sich das Ende des Software-Supports. Wie das Unternehmen erläutert, können diese dann nicht mehr mit neueren Modellen kommunizieren. Für den weiteren Betrieb ist dann eine separate Einrichtung nötig. (Weiter lesen) http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1962952-sonos-fragmentiert-alte-speaker-verstehen-neue-bald-nicht-me Tue, 21 2020 18:55:00 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1962952-sonos-fragmentiert-alte-speaker-verstehen-neue-bald-nicht-me Neustart oder Aus: Kohlekraftwerk steht schon lange still Seit dem vergangenen Frühjahr war das Kohlekraftwerk Mehrum bei Hannover aus wirtschaftlichen Gründen fast durchgängig außer Betrieb, nun ist das Kraftwerk wieder ans Netz gegangen. Zunächst für eine Woche sei die Stromzentrale am Montag für Prüfungen und Abnahmen wieder angefahren, sagte ein Untern http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1961963-neustart-oder-aus-kohlekraftwerk-steht-schon-lange-still Tue, 21 2020 06:53:13 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1961963-neustart-oder-aus-kohlekraftwerk-steht-schon-lange-still Weiträumige Sperrungen: Gefahrgut-Transporter nahe A42 bei Bottrop umgekippt Nach einem Unfall mit einem Gastank-Transporter in Bottrop ist derzeit die Autobahn 42 im Ruhrgebiet gesperrt worden. http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1957816-weitraumige-sperrungen-gefahrgut-transporter-nahe-a42-bei-bo Fri, 17 2020 11:24:00 GMT http://bottrop.aufdemnetz.de/news/1957816-weitraumige-sperrungen-gefahrgut-transporter-nahe-a42-bei-bo